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  Nahm die Hände für immer vom Lenkrad: Rallye-Legende Hermann Hanf
Fr 19.10.2012 11:04
Der in dem kleinen Dorf Belrieth bei Meinigen, am 28.11.1921 geborene Hermann Hanf hat sich als sportbegeisterter Jugendlicher nicht träumen lassen, dass einmal gerade der Motorsport in Verbindung mit dem Auto sein Leben bestimmen würde. Zuerst bestimmten allerdings andere über ihn: 1939 Arbeitsdienst, danach Dienst bei der Luftwaffe und Fluglehrer.
Nachdem er den Krieg heil überstanden und sich selbst entlassen hatte, landete er in Eisenach und wurde zuerst Behördenangestellter. Durch sein Sportengagement übernahm er bereits 1953/54 die Leitung der BSG Motor Eisenach. Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit wurde er 1954 Assistent vom Leiter des Rennkollektives Walter Gerstenberg. Nach der Gründung einer kleinen Rallye-Wettbewerbsgruppe wurde auch Hermann Hanf 1955 dort aktiv und fuhr zusammen mit Werner Hollack seine erste volle Rallye-Saison. Das waren vor allem bei Veranstaltungen im Westen. In zahlreichen Konkurrenzen von der Rallye Solitude über Westfalen-, Bayernwald- und Hansa-Fahrten bis zur Weinrallye und der Ostsee-Nordsee-Fahrt, holten Hollack/Hanf zusammen mit den anderen drei Eisenacher Fahrerpaaren eine stattliche Anzahl von Gold-, Silber- und Bronzemedaillen nach Eisenach.
1956 das gleiche Bild, aber bereits mit dem neu entwickelten Wartburg 311, der besonders durch seine Rallye-Erfolge dann auch international schnell bekannt wurde. Erste Starts folgten in Schweden, Holland und Belgien. Ab 1957 startete Hermann Hanf nur noch mit Kurt Otto. Erste erfolgreiche Veranstaltung des neuen Teams war die "Rallye der 1000 Seen" in Finnland. Gleichzeitig übernahm Hermann Hanf die Leitung der inzwischen neu gebildeten selbständigen Eisenacher Rallyesportabteilung in Personalunion.
Besonders Ende der fünfziger und teilweise auch noch Anfang der sechziger Jahre herrschte mit dem neuen, "schwarz" entwickelten Wartburg im Werk eine gewisse Aufbruchstimmung, die besonders durch die internationalen Erfolge der Rallyesportabteilung mit getragen wurde. Der Rallyeeinsatz des Wartburg sorgte vor allem im westlichen Ausland für eine gute Werbung und damit Absatz, denn die DDR brauchte damals schon Devisen. Dazu gab es spektakuläre Highlights, wie 1959 die Sensation auf dem Nürburgring, wo zur "Internatonalen Rallye Hanseat" vom 10. bis 12. April im Klassenfeld von fast 200 Wettbewerbsfahrzeugen - an der Spitze die westdeutsche Rallye-Elite - Kurt Otto und Hermann Hanf als Gesamtsieger der Veranstaltung den Ehrenpreis des ADAC-Gaues Hansa entgegen nehmen konnten. Zweite wurden ihre Stallgefährten Werner Jäger/Erich Möller.
Bereits 1962 wurden die sportlichen Erfolge der Eisenacher Rallye-Sportabteilung anerkannt: Hermann Hanf, Kurt Otto, Paul Thiel und Günter Rüttinger wurden als einzige und zugleich letzte Rallyefahrer als "Meister des Sports" ausgezeichnet.
Die erfolgreiche Rallye-Ehe Otto/Hanf hielt bis 1965. Eine Trennung wurde notwendig, da Hermann Hanf schon alleine als Leiter der Rallyesportabteilung voll ausgelastet war. Darüber hinaus sorgten auch andere Aufgaben für den "fulltime" Motorsportjob: Mitglied der Fachkommission Tourenwagensport in Verbindung mit operativem Sport- und weiteren wichtigen technischen Aufgaben.
Daneben hatte er bereits ab 1957 die Organisation der Internationalen Rallye Wartburg als Fahrtleiter übernommen.

Diese für Eisenach so wichtige Veranstaltung brachte er 25 Mal, bis 1982 nicht nur gut, sondern auch erfolgreich über die Runden. Dazu 92 gefahrene Rallyes als Copilot. Trotz seiner Verdienste als Sportler und Funktionär - vielen betrieblichen Anerkennungen und Auszeichnungen sowie Ehrennadeln der ADMV in Silber und Gold - gab es 1969 für ihn eine schmerzliche Zäsur: Infolge von familiären Angelegenheiten wurde Hermann Hanf als Reisekader kurzfristig gestrichen. Das bedeutete gleichzeitig seine Ablösung als Leiter der Rallyesportabteilung. Drei Jahre später durfte er nicht nur diese wieder übernehmen, sondern auch die Rallye Wartburg weiter organisieren. Ab 1975 konnte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Chefkonstrukteurs seine Arbeit im Motorsport fortsetzen. Als Mitbegründer des MC Eisenach wurde er 1986 dessen Ehrenmitglied. Nach Erreichung des Rentenalters 1986 begann der "Altersunruhestand" als Leiter des Automobil-Pavillons in der Wartburg-Allee. Deren Abwicklung zu erleben blieb ihm erspart. Denn ab 1991 versuchte er zusammen mit seinem "Evchen" die neuen Freiheiten zu genießen. Der Rallye-Wartburg blieb er nach wie vor zumindest als Helfer treu. Deshalb erhielt er auch anlässlich seines Achtzigsten die goldene Ehrennadel des ADAC zu dem der MC Eisenach seit 1990 gewechselt war. Anlässlich seines "Neunzigsten" im vergangenen November bedankte der sich letztmalig für die vielen überbrachten Glückwünsche, Blumen und Geschenke die "... mir unvergessliche Freude bereitet haben."


Host Ihling
Hermann HanfSensation auf dem Nürburgring: Kurt Otto / Hermann Hanf (rts.) gewannen mit dem neuen Wartburg 311 im April 1959 die Int. Rallye Hanseat. Im Gesamtklassement und das gegen fast 200 Starter mit der westdeutschen Rallye-Elite an der Spitze. Nach dem Start zur Sternfahrt im Warschau 1959 erstmals auf dem Weg nach Monte Carlo: Kurt Otto / Hermann Hanf in den französischen Seealpen.Kurt Otto / Hermann Hanf kurz vor dem Start zur schweren Rallye England 1965. Von den 181 gestarteten Teams erreichten nach 3800 km bei einer Ausfallquote von fast 70% alle 4 Wartburg wieder das Ziel in London.

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